Intercitymeeting 2009 - Die Reformation – Leistung und Leidenschaft

Seit fast zwanzig Jahren treffen sich die benachbarten Rotary Clubs aus Ahlen, Beckum, Telgte und Warendorf abwechselnd zu einem Jahrestreffen. Im Jahre 2009 war der RC Beckum Ausrichter des Intercity-Meetings, für das Präsident J. Haupt Bischof W. Huber gewonnen werden konnte, der mit seinem Vortrag „Die Reformation – Leistung und Leidenschaft“ die Rotarier begeistern konnte.

"Mit neuer Zuversicht und dem aktiven Geist der Ökumene prägte der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, das 19. Intercity-Meeting der Rotary-Clubs im Kreis Warendorf, das gestern Abend im nagelneuen Verwaltungsgebäude der Firma WBV am Landhagen 50 in Oelde stattfand. Als Gastgeber der hochkarätigen Veranstaltung zeichnete der Rotary-Club Beckum, dessen Präsident WBV-Geschäftsführer Joachim Haupt ist. Den 140 Besuchern, darunter auch Gäste aus dem Nachbarkreis Gütersloh, brachte der EKD-Vorsitzende in einem kurzweiligen Vortrag „die Reformation - Leistung und Leidenschaft" näher.

Die anschließende Diskussion moderierte mit launigen Worten Pfarrer Wolfgang Bovekamp von der Evangelischen Kirchengemeinde Oelde. Er sei es auch gewesen, der mit ständigen Telefonaten den Kontakt zum Amtssitz des Bischofs in Berlin hergestellt und vor allem gehalten habe, teilte Haupt dem Publikum mit. Bovekamps Beharrlichkeit zahlte sich aus: Huber nutzte gestern die Gelegenheit, um von einer Konferenz in Hannover nach Oelde zu eilen und nach Abschluss des 19. Intercity-Meetings der Rotarier im WBV-Verwaltungsgebäude wieder in die NiedersachsenHauptstadt zurückzukehren.

Die Begeisterung der RotaryClubs für die Ausführungen des EKD-Vorsitzenden - das Spitzenamt hat Huber seit 2003 inne - fasste Bovekamp abschließend mit den Buchstaben der gastgebenden Firma WBV in Worte: Wegweisender Bischofs-Vortrag." Soweit die Berichterstattung in der Tageszeitung "Die Glocke" vom 27.3.2009 (von MARTIN GOG).

Zwei Inhalte, die der Protokollant als zentrale Aussagen von Bischof Huber empfunden hat:

Bischof Huber stellte seinen Ausführungen zum Thema "Die Reformation: Leistung und Leidenschaft" zunächst Gedanken zur Ökumene voran. Er erinnerte an die gemachten Fortschritte, bedauerte aber den etwa zehnjährigen Stillstand des ökumenischen Gedankens und mahnte die Lösung von drei Problemen an: Unklarheit über die ökumenischen Ziele, Unklarheit über das "Kirchesein" beim jeweiligen Partner, Differenzen über Organisation und kirchliche Ämter. Gleichwohl betonte er die gemeinsamen Wurzeln und das gemeinsame christliche Grundverständnis, das u.a. auch in der gemeinsamen Grundauffassung bioethischer Fragen zum Ausdruck kommt. Sein Schlusswort griff diesen ökumenischen Gedanken noch einmal auf: Der gemeinsame Glaube ist tiefer, uns verbindet mehr, als uns trennt. In Rückfragen wurde später seine Vision noch deutlicher: keine neue zusammenfassende Überkirche, wechselseitiger Respekt und Anerkennung. Die erste zentrale Forderung war: "Das anders sein des Anderen achten!"

In einem weiteren Teil ging er der Frage der Leistung und Leidenschaft Martin Luthers nach, die er auf die Entdeckung der Gnade fokussierte: Gott ist gnädig, Gottes ewige Gerechtigkeit ist ein reines Gnadengeschenk. Keinerlei Eigenleistung könne dieses Geschenk erzwingen. Diese Entdeckung, so Bischof Huber, schafft Freiheit: keine Zwänge, keine Sorge um das Lebensheil. In der im Glauben geschenkten Freiheit sah Bischof Huber den "Drehpunkt" der Reformation. Vor diesem Hintergrund entspannten sich weitere Ausführungen zur Freiheit (auch unter Einbeziehung aktueller Prozesse, d.h. "freien" Handelns in der Finanzwelt), vor allem zum Zusammenhang von Freiheit und Verantwortung. Seine zweite zentrale Forderung war: "verantwortende Freiheit in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft".

Die Impulse sind immer noch hoch aktuell (3.3.2013 nach einem Relaunch der Web-Seiten).